כ"ט אלול ה' אלפים תשע"ז
29. Elul 5777
20. September 2017

Leitartikel

Licht in der Finsternis – Vom Chaplain Center zu Sukkat Schalom

Recherche und Historie zusammengetragen und in Buchform vorgelegt von Claudia Keller

Chanukka 1945 und Chanukka 2015 – siebzig Jahre geschichtliche Entwicklung erscheinen der Journalistin und Autorin Claudia Keller als guter Zeitrahmen eine vorläufige Bilanz über das Entstehen, die Entwicklung und den heutigen Stand der Synagoge Sukkat Schalom zu ziehen. Was liegt da näher, als das von ihr vorgelegte Buch in einer besonderen Feierstunde zu Chanukka in der heutigen Synagoge vorzustellen?

Als Termin findet sich die feierliche Entzündung des 8. Chanukka-Lichtes am 13. Dezember 2015 in der Synagoge Sukkat Schalom. Zu Chanukka heißt es:

יש לנו אור אבל אין לנו רשות להשתמש בהם.

In der Transliteration: Jesh Lanu Or Awal Ejn Lanu R’shut L’hishtamesh Bahem:

 Wir haben Licht, aber wir haben nicht die Erlaubnis es zu benutzen; das heißt das heilige Chanukka-Licht erhellt die Finsternis, erinnert an das Wunder, darf aber nicht als profanes Licht verwendet werden. Wollen wir also schreiben, lesen oder andere Arbeiten verrichten, so muss weiteres Licht leuchten. 

Dieses Schlaglicht hat Claudia Keller in ihrem Buch „Sukkat Schalom – Soldaten, Agenten und ein Neuanfang: Wie das lieberale Judentum nach Berlin zurückkehrte“ auf die Geschichte des Chaplain Centers und des Synagogenvereins Sukkat Schalom gerichtet. Die Buchpräsentation erfolgt in einer Feierstunde in der Synagoge Sukkat Schalom in der Herbartstraße in Berlin Charlottenburg. Die Verlegerin selbst, Frau Dr. Nora Pester, hat es übernommen, die Buchvorstellung in Form eines Dialoges zwischen der Autorin Claudia Keller und dem Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama  zu moderieren.

Andreas Nachama, selbst Zeitzeuge, kann aus eigenem Erleben vieles dazu beitragen. Das Chaplain Center, zunächst in einer Villa Unter den Eichen angesiedelt, zieht gegen Ende der 50er Jahre in einen modernen Neubau am Hüttenweg um. Dieses multireligiöse Zentrum, in dem auch evangelische und katholische Christen der US-Armee ihre Beträume haben, bleibt Heimat der jüdischen Beter bis zum Abzug der Alliierten. Immer wieder wird im Dialog deutlich, wie sehr die Geschichte der Familie Nachama mit der Geschichte des Chaplain Centers verknüpft ist. Estrongo Nachama begnadeter Oberkantor der Jüdischen Gemeinde Berlin, Holocaustüberlebender und Vater von Andreas Nachama, leitete über viele Jahre zusammen mit Rabbiner Levinson die Gottesdienste des Chaplain Centers. Bei größeren Feierlichkeiten musste die Gemeinde aus Platzgründen in das Harnack House, das sich in unmittelbarer Nähe befindet, ausweichen. Spätere Jahre rufen Louis Fischer auf den Plan, ein einer orthodoxen Familie aus der Bronx entstammender amerikanischer Zivilbeamter, der eine Yeshiva besucht hat und die erworbenen Kenntnisse gern in den Dienst der Gemeinde stellt. Fischer ist ein Tausendsassa; als Zuständiger Armeeangehöriger für Versorgung und Beschaffung ist er wirklich in der Lage, alles zu vermitteln, alles zu besorgen, seine Kenntnisse und Beziehungen zu nutzen und jedem, der sich hilfesuchend an ihn wendet, seine Hilfe zu Teil werden zu lassen. Seine in der Talmud-Schule erworbenen Kenntnisse kommen ihm zugute, als es sich in den späten 50er Jahren für die USA nicht mehr lohnt, einen Militärrabbiner nach Berlin zu schicken, da es nicht mehr so viele jüdische Militärangehörige gibt. So übernimmt er dann auch die Leitung der Gottesdienste, und ich kann mich sehr gut an seine launigen aber stets mit einer aussagekräftigen Message versehenen Predigten erinnern.

Wir hören haarsträubende Geschichten; die Gemeinde wird Fälscherwerkstatt, Schmugglerzentrum und Heiratsmarkt. Zuviel will ich an dieser Stelle nicht verraten, denn dieser Beitrag soll neugierig machen auf die Lektüre des Buches, das – manchmal spannend zu lesen wie ein Top-Krimi – erstmals die Geschichte dieser Gemeinde bis zum heutigen Tag erzählt.

Wir hören auch, dass Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama – heutiger Rabbiner der Gemeinde Sukkat Schalom – am Hüttenweg tätig war, zunächst in der religiösen Unterweisung der Kinder, später als Rabbiner der Gemeinde. Auch sein Sohn Alexander Nachama leitet als Kantor über Jahre zusammen mit seinem Vater die Gottesdienste am Hüttenweg. Drei Generationen Nachama haben die Geschichte der Gemeinde entscheidend mitgeprägt. 

Diese Vorstellung des Buches findet in der Synagoge der Gemeinde Sukkat Schalom in der Herbartstraße am Lietzensee statt. Der Vorstand hat eingeladen und viele Gemeindemitglieder und Offizielle sind der Einladung gefolgt, Vertreter der israelischen Botschaft, Bezirkspolitiker und Angehörige der christlichen Gemeinde am Hüttenweg. Vielleicht ist auch das vorgelegte Buch ein weiterer Mosaikstein im Puzzle der Gemeinde, die sich sehr stark für die Rückkehr an den Hüttenweg einsetzt und die Herbartstraße als vorläufiges Domizil ansieht. Eines Tages soll und wird es so sein, dass wir – die größte jüdische Reformgemeinde – wieder an den Ursprungsort, einem multireligösen Zentrum am Hüttenweg, zurückkehren werden. Der Autorin Claudia Keller sei jedenfalls herzlich gedankt für die umfassende Zusammenstellung der Geschichte von Sukkat Schalom, die jedoch noch nicht zu Ende geschrieben ist.

Von: R. Liam Rickertsen

ISBN 978-3-95565-121-3 Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Preis 8,90 €

www.hentrichhentrich.de

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